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Kunst

Groundlessness

Von Bill Harrison

 



I used to put outlines around everything. Once, while looking at a still life display, a college art teacher helped me to see that lines don’t actually surround most objects. Changes in color or tone differentiate one object from the next. Or sometimes not even. Shadows and light variations can allow one thing to melt into another. Still, a part of my brain looks for the clear line between one thing and another. Eva’s new print demands that I see the world without separations. At first look I find the image jarring. I feel a sense of groundlessness. I begin to search and question. What am I seeing? What is in front, what is in back? Chaos kicks the order-seeking part of my brain into overdrive as it looks for beginnings and ends. But before I can find any clues of solidity an openness starts to arise. A clashing area of contrasting shapes becomes a shadowed niche between river rocks. Abstract white shards become splashes of light reflecting off of granite globes. My grasping mind begins to fall away as I feel enveloped by the flowing water, light yellow grasses, and smooth rocks. I perceive each element only because of its particular relationship to the other elements which surround it. This image teaches me to see in whole rather than in parts. Compulsive looking is discouraged, or maybe just given a break. Here in this sacred landscape space, a new form of perceiving awakens.


Früher habe ich beim Zeichnen um alles Umrisslinien gezogen. Beim Betrachten einer Stillleben-Darstellung half mir dann einmal ein Kunstlehrer zu erkennen, dass Objekte nicht von Linien umgeben sind. Änderungen in Farbe oder Ton unterscheiden ein Objekt vom nächsten. Und manchmal nicht einmal das. Schatten und Abweichungen im Licht können ein Ding mit dem nächsten verschmelzen lassen. Dennoch, ein Teil meines Verstands sucht immer noch nach der klaren Linie zwischen einem Ding und dem anderen. Evas neuer Holzschnitt fordert mich auf, die Welt ohne Trennungen zu sehen. Auf den ersten Blick finde ich das Bild krass, habe ein Gefühl von Bodenlosigkeit. Ich fange an zu suchen und Fragen zu stellen. Was sehe ich? Was ist vorne, was hinten? Dieses Chaos lässt den strukturierenden Teil meines Verstands rotieren, während dieser nach Anfängen und Enden sucht. Aber bevor ich irgendwelche Hinweise auf Stabilität finde, taucht eine Offenheit auf. Ein Aufprall kontrastierender Formen wird zu einer schattigen Nische zwischen Felsen im Fluss. Eine abstrakte weiße Scherbe formt sich zu Spritzern von Licht, die von einem runden Granit reflektieren. Mein um sich greifender Verstand beginnt wegzufallen, während ich mich umgeben fühle von fließendem Wasser, hellgelben Gräsern und kleinen Felsen. Jedes Element nehme ich nur wahr aufgrund seiner Beziehung zu den es umgebenden Elementen. Dieses Bild lehrt mich im Ganzen zu sehen statt in Teilen. Es unterbindet zwanghaftes Sehen, oder unterbricht dies zumindest. Hier in diesem heiligen Landschaftsraum entsteht eine neue Form der Wahrnehmung.

San Francisco, Januar 2021

 


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