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Kunst

Wandel in meiner aktuellen Arbeit

Seit ich künstlerisch arbeite, gab es wiederholt Zeiten, in denen mir klar wurde, dass ich mit dem, was ich machte, nicht weiterarbeiten konnte, dass ich neue Wege finden musste. Ich fand diesen Prozess des Erneuerns, Veränderns und Anpassens aufregend und oft auch unangenehm. Es gab einfache Veränderungen wie den Einstieg in den japanischen Holzschnitt nach Jahren des Radierens, oder den Wechsel von der Farbe zu Schwarz-Weiß, und zurück, und wieder zurück.

Es gab einen größeren Wandel vor sieben Jahren, als ich mit meinen eher graphischen Holzschnitten mit klar geschnittenen Kanten nicht mehr zufrieden war. Bis dahin hatte ich meine Entwürfe mit dem Bleistift direkt auf das Holz gezeichnet. Ich hatte dann die Idee, den Entwurf mit dem Pinsel auf japanisches Papier zu malen, diesen auf den Block zu kleben und so nachzuschneiden (wie es früher in Japan und China üblich war). Dieser Weg erlaubte es mir, sehr viel spontaner zu sein. Meine Holzschnitte wurden weicher und malerischer.

In den letzten Jahren hatte ich, während ich meine Skizze machte, immer ein genaues Bild im Kopf, welches ich dann so "perfekt" wie möglich zu verwirklichen suchte, ähnlich dem Destillieren einer Essenz. Sobald ich also meine Skizze gemalt hatte, war alles fest entschieden und ich führte schneidend und druckend aus, mit dem Endergebnis einer Auflage von möglichst gleich aussehenden Drucken.

2007 hatte ich ein Schlüsselerlebnis beim Arbeiten in einer kanadischen Druckwerkstatt. Ein prominenter Meisterdrucker kam auf Besuch und ich zeigte ihm die Probedrucke des Holzschnitts, an dem ich gerade arbeitete. Ich nahm an, dass er sagen würde, welche Version er für die beste hielt, aber er fand, dass sie alle etwas hatten. Damals hielt ich das für eine interessante Meinung. Aber über die Jahre arbeitete diese Sichtweise in mir weiter.

In der letzten Zeit sind meine Bilder noch weicher geworden. Die Pinselstriche von früher sind zu leicht verschwommenen Formen geworden, entsprechend Veränderungen in mir selbst. Es ist mehr Raum für Ambivalenz, die Möglichkeit verschiedener und doch "perfekter" Dinge. Ich habe begonnen, durch ein Verteilen von Formen auf mehr Platten meine Drucke auf eine Art zu planen, die mehr Freiraum beim Drucken erlaubt. Meine Drucktechnik habe ich schon in den letzten Jahren verändert, indem ich Farben langsam durch das wiederholte Drucken von verschiedenfarbigen Schichten aufbaue, was einen vibrierenden und komplexen Eindruck ermöglicht. Das funktioniert wunderbar, resultiert aber auch in einer größeren farblichen Bandbreite und dadurch in Unterschieden der einzelnen Drucke, was ein Problem mit der Idee des Auflagendrucks darstellt. Letztendlich sah ich die Notwendigkeit, Aspekte von Offenheit und Erforschen in den Druckprozess hineinzubringen und dabei Kontrolle und Wiederholung zu vermindern. Während ich einerseits festhalte an der Essenz einer ursprünglichen Idee, tauche ich jetzt ins Drucken auf weniger kontrollierte Weise, folge Ideen, ändere Farben und Kontraste.

 

 

Die so entstehenden Drucke, die sich signifikant von einander unterscheiden können, entsprechen besser meiner dabei umgesetzten Erfahrung. Die Drucke kommen so wie jeder Moment in den nächsten wächst. Indem jeder Druck ein "Einzelstück" wurde, begann ich das System des Nummerierens einer limitierten Auflage in Frage zu stellen. Da dies nicht länger Sinn macht, habe ich begonnen, jeden Druck einer auf diese Art gedruckten Plattenvorlage zu nummerieren ohne eine Auflage zu bestimmen. Jede Auflage, so wie jeder Druck, ist offener geworden und vitaler.

 

 

Berlin, Januar 2014

 

 


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